Analyse des Transformationsdiskurses

Kommentare, Konzepte und Leitbilder

Einem ersten Literaturüberblick zur sozial-ökologischen Transformation zufolge lassen sich vier Transformationsdiskurse nach ihrer Selbstzuschreibung unterscheiden (vgl. Kapitel 4.1). Zum einen lässt sich ein Diskurs um ein grünes Wachstum, einem grünen New Deal oder auch eine grüne Ökonomie beziehungsweise einem grünen Kapitalismus unterscheiden. Erklärtes Ziel dieses Diskurses ist es das gegenwärtige Wirtschaftssystem auf eine nachhaltige Basis zu stellen. Ein weiterer Diskurs hat einen sozial-ökologischen Umbau zum Ziel. In diesem Diskurs wird ebenfalls die Notwendigkeit anerkannt, dass das gegenwärtige Wirtschaftssystem nachhaltig umgestaltet werden müsse, im Fokus stehen jedoch die sozialen Folgen einer Transformation. Weiterhin wird ein kapitalismuskritischer Diskurs um einen grünen Sozialismus geführt. In diesem wird sich ebenfalls für eine soziale und ökologische Transformation ausgesprochen. Diese müsse jedoch mit einer Überwindung des Kapitalismus verbunden werden. Ein vierter Diskurs sammelt sich unter dem Begriff Degrowth. In diesem ist es nicht der Kapitalismus, sondern die Konsum- und Wachstumsgesellschaft die überwunden werden soll.

Das Konzept Partizipation im Vergleich

Kommentare, Konzepte und Leitbilder

Latouche sieht die Entwicklung von selbst organisierten Bioregionen in der Tradition einer Kommunenbewegung. Diese stünden jedoch in dem demokratischen Dilemma, dass sich durch ihre lokale Verankerung zwar demokratische Kontrolle vereinfache, sich zugleich aber auch ihre Einflussmöglichkeiten reduzierten, indem sie sich auf ihre Region beschränkten. Entscheidend sei jedoch nicht die Ausweitung der Einflussmöglichkeiten, sondern die Existenz lokaler Projekte, in welchen partizipativ eine Region im Interesse der Allgemeinheit bewahrt werde. Nicht die Größe des Territoriums sei entscheidend, sondern ob die Identität global oder lokal sei. Partizipative Kommunen nehmen bei Latouche demnach eine wichtige Rolle beim Wandel zu einer sozial und ökologisch nachhaltigen Gesellschaft ein.1

Das Konzept Internationale Lösungsstrategien im Vergleich

Kommentare, Konzepte und Leitbilder

Latouche spricht sich für eine Relokalisierung von Wirtschaftskreisläufen aus (vgl. Kapitel 6.3). Diese Relokalisierung beinhalte jedoch nicht bloß ökonomische Autonomie, sondern ebenso lokale Formen der Demokratie. Seine Strategie führt Latouche zurück auf entwicklungskritische Diskurse. In diesem Zusammenhang werden von ihm auch Instrumente der Global Governance wie der Clean Development Mechanism1 kritisiert. Die WTO könne durch eine World Localization Organziation ersetzt werden, welche lokale Produktionsprozesse vor dem Weltmarkt schütze. In internationale Lösungsstrategien setzt Latouche letztlich jedoch wenig Hoffnung, statt dessen hebt er bereits wirkende lokale Initiativen hervor. Eine eindeutige Zuordnung ist nicht möglich.2

Das Konzept Gemeinschaftsgüter im Vergleich

Kommentare, Konzepte und Leitbilder

Latouche kritisiert, dass die gegenwärtige Ökonomie auf künstliche Art und Weise Knappheiten erzeuge. Die Aneignung und Kommodifizierung der Natur führe teilweise dazu, dass Lebensgrundlagen wie Wasser privatisiert würden. Die Annahme von Knappheiten würde so zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Dem hält Latouche seine Forderung nach einer Relokalisierung entgegen (vgl. Kapitel 6.3). Diese Fokussierung auf lokale Versorgung fuße zum Teil auf einer Wiederentdeckung der Gemeinschaftsgüter. Diese nehmen insgesamt zwar keine bedeutende Rolle in seiner Transformationsstrategie ein, werden aber positiv in diese aufgenommen.1

Das Konzept Suffizienz im Vergleich

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Für Latouche geht Suffizienz einher mit Redistribution und einer Verbesserung der Lebensqualität. Er zählt insbesondere die Müllproduktion und den Massentourismus auf, welche reduziert werden müssten, ebenso sei auch eine Reduktion der Arbeitszeit Teil einer suffizienten Lebensweise. Seine Postwachstumsgesellschaft zeichne sich durch eine Verlangsamung aus. Es gelte nicht Konsumverzicht zu predigen, sondern die gesellschaftlichen Verhältnisse so zu gestalten, dass mit weniger Verbrauch mehr erreicht werden könne. Viele Bedürfnisse seien lediglich Kompensationen für Verluste der Wachstumsgesellschaft. Durch technologischen Fortschritt könnten zudem Reduktionsbestrebungen von 50 Prozent des gegenwärtigen Konsum ausreichend für eine Transformation sein. Suffizienz bildet einen wichtigen Bestandteil dieser Transformationsstrategie.1