Futuring – Perspektiven der Transformation im Kapitalismus und über ihn hinaus

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Cover_Futuring_BrieIn diesem Band aus dem Umfeld der Rosa-Luxemburg-Stiftung wird der gegenwärtig geführte Diskurs um eine sozial-ökologische Transformation oder auch Große Transformation aus gesellschaftskritischer Perspektive analysiert. Der Transformationsdiskurs wird dabei als Zugriff auf Zukünfte verstanden und somit als zentrales Element von Macht. Anspruch der Autor/innen ist es dem hegemonialen Futuring ein gegenhegemoniales Futuring entgegenzusetzen.

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Es geht los! Die Anmeldung zur VÖW-Sommerakademie Zeitwerkstatt zur sozial-ökologischen Dimension von Zeitwohlstand ist eröffnet!

Berichte

In der fünften Sommerakademie der Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung vom 16.-20. September 2015 wollen wir die Rolle von Zeitwohlstand für eine sozial-ökologische Lebensweise beleuchten und dabei fragen: wer kann sich Zeitwohlstand eigentlich leisten? Zeitressourcen sind zwischen den Geschlechtern, Ethnien und gesellschaftlichen Klassen ungleich verteilt. Welche unterschiedlichen Herausforderungen für Zeitwohlstand stellen sich angesichts der verschiedenen gesellschaftlichen Positionen? Welche ökologischen Auswirkungen hat diese Ungleichverteilung? Wir wollen den Diskurs um Zeitwohlstand  um die Perspektive auf Zeitgerechtigkeit erweitern und  dabei herausarbeiten, wie wir Zeit gerecht leben können.

Folgenden Referent_innen werden vor Ort die thematische Auseinandersetzung unterstützen:

  • Dominik Werner (Transition Theater)
  • Dr. Sabine Reiner (ver.di)
  • Gesine Agena (Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen)
  • Prof. Dr. Fritz Reheis (Universität Bamberg)

Das komplette tolle Programm stellen wir in Kürze online!

Anmeldungen für die Sommerakademie sollten bis Freitag, 15. Juli mit diesem Fragenbogen unter sommerakademie(at)voew.de eingegangen sein. Weitere Informationen zur Sommerakademie finden sich auf http://www.voew.de/sommerakademie.html.

Was ist das eigentlich: Zeitwohlstand?

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Vor einiger Zeit habe ich mich bei einer Wanderung mit dem Vater einer guten Freundin unterhalten. Er kommt selbst aus armen Verhältnissen, ist in den 1950er Jahren geboren und war das älteste von drei Kindern seiner alleinerziehenden Mutter. Inzwischen ist er ein weltbekannter Professor und sieht seine drei Kinder meist zufällig, wenn er gerade mal wieder auf einem Kongress in einem ihrer Studienorte gelandet ist. Er lebt den „amerikanischen Traum“, hat es vom Tellerwäscher zum Millionär geschafft, doch bei dieser Wanderung im Harz erzählte er mir, dass ihm eines fehle: Zeit.

Ein solcher Trade-off zwischen Einkommen und Zeit ist zunächst einmal nicht sehr überraschend. Die Erzählung vom „amerikanischen Traum“, die wohl ein weltweiter Exportschlager ist, verspricht ja eben: Durch Arbeitsleistung, vereinfacht ausgedrückt, den Verzicht auf die freie Verfügung über seine Zeit, kann man zu materiellem Wohlstand kommen. Doch ist es wirklich dieser Tausch zwischen Einkommen und Zeit, für den sich jedes Individuum frei entscheidet? Oder ist diese Wahl nicht vielmehr in ein gesellschaftliches System eingebettet, welches diese Entscheidung bereits für einen getroffen hat? In dem Buch „Zeitwohlstand. Wie wir anders arbeiten, nachhaltig wirtschaften und besser leben“ des Konzeptwerks Neue Ökonomie diskutieren Hartmut Rosa, Niko Paech, Friederike Habermann, Frigga Haug, Felix Wittmann und Lena Kirschenmann diese und andere Fragen.

Konzepte und Leitbilder sozial-ökologischer Transformation

Konzepte und Leitbilder, Thesen

Dem Diskurs um eine sozial-ökologische Transformation liegt ein verändertes Wohlstandsverständnis zu Grunde. Wohlstand wird in diesem Diskurs nicht als Mehrung materieller Güter, sondern vielmehr als Mehrung der Optionen im Sinne des Fähigkeitenansatzes verstanden (vgl. Kapitel 2.1). Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein individualistisches Konzept, vielmehr wird der Optionenbegriff weit gefasst. Es gilt die Optionen künftiger Generationen und die Optionen seiner Mitmenschen zu sichern. Die multiple Krise des Finanzmarktkapitalismus gefährdet diese Optionen (vgl. Kapitel 2.3). Eine finanzkapitalistische Landnahme (vgl. Kapitel 2.2.2) zehrt unter anderem die sozialstaatlichen Errungenschaften des fordistischen Wohlfahrtsstaats auf (vgl. Kapitel 2.2.1). Die sozial-ökologische Krise verschärft sich auf Grund der Nicht-Verallgemeinerbarkeit einer imperialen Lebensweise (vgl. Kapitel 2.3.1). Angesichts einer zunehmenden Prekarisierung der Arbeitswelt entstehen transnationale Sorgeketten, welche die Krise der Reproduktion jedoch nicht lösen, sondern lediglich verschieben (vgl. Kapitel 2.3.2). Nicht zuletzt die Staatsschuldenkrise im Zuge der so genannten „Euro-Rettung“ hat zu einer Krise des Staates geführt und teilweise postdemokratische Zustände befördert (vgl. Kapitel 2.3.3). Es sind demnach die großen Bereiche Ökologie, Soziales und Demokratie, die sich zu einer multiplen Krise verschärfen und Anlass für die Debatte um eine sozial-ökologische Transformation bieten. Ziel dieser Transformation ist eine Wiedereinbettung des Marktes. Einer Politik, welche die existierenden gesellschaftlichen Probleme allein mittels marktwirtschaftlichen und technologischen Instrumenten bearbeiten möchte, wird im Diskurs um eine sozial-ökologische Transformation widersprochen. Doch darum, welche alternativen Transformationskonzepte sich durchsetzen sollen, ist eine breite Debatte entstanden (vgl. Kapitel 2.4).