Fünf mögliche Welten sozial-ökologischer Transformation

Konzepte und Leitbilder, Thesen

Strukturiert man die Transformationsstrategien entlang dieser Metadiskussionen ergeben sich verschiedene mögliche Leitbilder einer sozial-ökologischen Transformation. Auf der ökonomischen Ebene können entsprechend der Analyse des Transformationsdiskurses zwei Positionen unterschieden werden: Befürworter von Wachstum und Globalisierung und Befürworter von Postwachstum und Regionalität. Zieht man die gesellschaftliche Ebene hinzu, so können diese beiden Positionen weiter ausdifferenziert werden. Zum einen in kulturkritische Positionen, welche sich für einen Wandel von Kultur und Demokratie aussprechen, und zum anderen in solche, die einen solchen Wandel nicht für notwendig halten. Die politisch-ökonomische Ebene vervollständigt das Bild. Hier können solidarische Positionen, die sich für entkommerzialisierte soziale Räume und sozialstaatliche Umverteilung aussprechen, von marktorientierten Positionen unterschieden werden, die Ressourcenallokation und -distribution hauptsächlich über den Markt organisieren wollen.

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Latouche: Farewell to Growth

Kommentare, Konzepte und Leitbilder

Serge Latouche gilt als geistiger Vater der Degrowth Bewegung.1 Diese wachstumskritische Bewegung nimmt ihren Ursprung in Südeuropa, ist inzwischen aber international verbreitet. Latouche selbst sieht die Ursprünge dieses theoretischen und zugleich praktischen Ansatzes einer konkreten Utopie2 in den entwicklungskritischen Diskursen des globalen Südens, insbesondere im afrikanischen Kontext.3 Sie stelle zuvorderst eine Kritik an der Konsumgesellschaft dar, welche sich insbesondere durch Werbung, Kredite und geplante Obsoleszenz4 auszeichne.5 Latouche beschreibt das Ziel von Degrowth wie folgt:

„Its goal is to build a society in which we can live better lives whilst working less and consuming less.“6

Paech: Befreiung vom Überfluss

Kommentare, Konzepte und Leitbilder

Niko Paech vertritt in seinem Buch „Befreiung vom Überfluss – Auf dem Weg in eine Postwachstumsökonomie“ drei Thesen:

„Erstens: Unser ohne Wachstum nicht zu stabilisierender Wohlstand ist das Resultat einer umfassenden ökologischen Plünderung. […] Zweitens: Jegliche Anstrengungen, wirtschaftliches Wachstum durch technische Innovationen von ökologischen Schäden zu entkoppeln, sind bestenfalls zum Scheitern verurteilt. […] Drittens: Das Alternativprogramm einer Postwachstumsökonomie würde zwar auf eine drastische Reduktion der industriellen Produktion hinauslaufen, aber erstens die ökonomische Stabilität der Versorgung (Resilienz) stärken und zweitens keine Verzichtsleistung darstellen, sondern sogar die Aussicht auf mehr Glück eröffnen“.1

Literaturüberblick zur sozial-ökologischen Transformation

Berichte, Konzepte und Leitbilder

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat in einem Sammelband sechs Transformationsstrategien vorgestellt.1 Gemeinsam ist ihnen, dass sie nachhaltiges Wachstum zum Leitbild erklären. In diesen Kontext können auch die Diskussionen innerhalb von Bündnis 90/Die Grünen und der Heinrich Böll Stiftung um eine Grüne Marktwirtschaft2 eingeordnet werden. Ralf Fücks, Vorstandsmitglied der Heinrich Böll Stiftung, entwickelt in seinem Buch „Intelligent Wachsen“ eine Transformationsstrategie des nachhaltigen Wachstums.3 Auf internationaler Ebene wird dieser Diskurs um Green Growth und Green Economy insbesondere von der OECD und dem UNEP geführt.4

Darstellung des Transformationsdiskurses

Berichte, Konzepte und Leitbilder

Der Transformationsdiskurs hat insbesondere durch das WBGU Gutachten „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ aus dem Jahr 2011 an Dynamik gewonnen. In diesem beschreibt der WBGU die Notwendigkeit und Machbarkeit einer Transformation hin zu einer klimaverträglichen Gesellschaft.1