Science Slam Berlin: ‚Solidarisches Postwachstum‘

Thesen
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Konzepte und Leitbilder sozial-ökologischer Transformation

Konzepte und Leitbilder, Thesen

Dem Diskurs um eine sozial-ökologische Transformation liegt ein verändertes Wohlstandsverständnis zu Grunde. Wohlstand wird in diesem Diskurs nicht als Mehrung materieller Güter, sondern vielmehr als Mehrung der Optionen im Sinne des Fähigkeitenansatzes verstanden (vgl. Kapitel 2.1). Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein individualistisches Konzept, vielmehr wird der Optionenbegriff weit gefasst. Es gilt die Optionen künftiger Generationen und die Optionen seiner Mitmenschen zu sichern. Die multiple Krise des Finanzmarktkapitalismus gefährdet diese Optionen (vgl. Kapitel 2.3). Eine finanzkapitalistische Landnahme (vgl. Kapitel 2.2.2) zehrt unter anderem die sozialstaatlichen Errungenschaften des fordistischen Wohlfahrtsstaats auf (vgl. Kapitel 2.2.1). Die sozial-ökologische Krise verschärft sich auf Grund der Nicht-Verallgemeinerbarkeit einer imperialen Lebensweise (vgl. Kapitel 2.3.1). Angesichts einer zunehmenden Prekarisierung der Arbeitswelt entstehen transnationale Sorgeketten, welche die Krise der Reproduktion jedoch nicht lösen, sondern lediglich verschieben (vgl. Kapitel 2.3.2). Nicht zuletzt die Staatsschuldenkrise im Zuge der so genannten „Euro-Rettung“ hat zu einer Krise des Staates geführt und teilweise postdemokratische Zustände befördert (vgl. Kapitel 2.3.3). Es sind demnach die großen Bereiche Ökologie, Soziales und Demokratie, die sich zu einer multiplen Krise verschärfen und Anlass für die Debatte um eine sozial-ökologische Transformation bieten. Ziel dieser Transformation ist eine Wiedereinbettung des Marktes. Einer Politik, welche die existierenden gesellschaftlichen Probleme allein mittels marktwirtschaftlichen und technologischen Instrumenten bearbeiten möchte, wird im Diskurs um eine sozial-ökologische Transformation widersprochen. Doch darum, welche alternativen Transformationskonzepte sich durchsetzen sollen, ist eine breite Debatte entstanden (vgl. Kapitel 2.4).

UNEP: Towards a Green Economy

Kommentare, Konzepte und Leitbilder

Das UNEP hat seine Studie „Towards a Green Economy“ im Vorfeld von Rio+20 erstellt. Seine Analyse richtet sich sowohl an marktwirtschaftlich gelenkte als auch über den Staat gesteuerte Wirtschaftssysteme. Die Grüne Ökonomie soll eine Antwort auf die Krise der vorherrschenden Ökonomie sein, deren Krise sich nicht zuletzt in der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise manifestiere. Die Grüne Ökonomie zeichne sich dadurch aus, dass sie materiellen Wohlstand schaffe, ohne Umweltgefahren, ökologischen Mangel und soziale Ungleichheiten zu produzieren.1

Sozial-ökologische Transformation – ein neues Verständnis von Wohlstand

Kommentare, Konzepte und Leitbilder

Der Diskurs um eine sozial-ökologische Transformation zeigt, dass Wohlstand breiter zu verstehen ist denn als Zunahme materieller Güter. Erkenntnisse aus dem Umwelt- und Klimadiskurs um die Folgen eines auf die Verteilung von Wachstumszugewinnen ausgelegten Wohlstandsverständnisses haben zu einem Umdenken geführt. Es ist ein Bewusstsein über die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Krisenphänomenen einer multiplen Krise entstanden (vgl. Kapitel 2.3).

Sozial-ökologische Transformation

Konzepte und Leitbilder, Thesen

Diese multiple Krise des Finanzmarktkapitalismus bildet die Basis der Diskussion um eine sozial-ökologische Transformation. Aus dem Verständnis der gegenwärtigen Krisen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft als eine multiple, miteinander in Verbindung stehende Krise ergibt sich für die Transformationsdebatte die Notwendigkeit eines systemischen Lösungsansatzes.