Ökologische Wachstumskritik als Modernekritik

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Mit seinem aktuellen Buch „Mehr oder weniger? Zur Soziologie ökologischer Wachstumskritik und nachhaltiger Entwicklung“ (Transcript Verlag, 2014) verfolgt der Soziologe Stephan Lorenz zwei Anliegen. Zum einen will er das Kernanliegen ökologischer Wachstumskritik herausarbeiten und betrachtet sie dabei mit ihrem kritischen Fokus auf Industrialismus und Konsum als Teil der Modernekritik. Zum anderen will er ökologische Wachstumskritik als soziologisches Thema stark machen. Der Soziologie stünde die Aufgabe zu, die Verfahrensweisen nachhaltiger Entwicklung kritisch zu rekonstruieren. Die ökologische Wachstumskritik richte das Augenmerk auf das Auseinanderfallen von Mitteln und Zwecken gesellschaftlichen Handelns. Dieses gelte es durch entsprechende demokratische Verfahren zu rejustieren.

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Leben von 500 Euro – wie ist das möglich?

Thesen

Reflektion einer konsumkritischen Lebensweise

Seit meines Portraits im Spiegel wird mir immer wieder diese Frage gestellt: „Leben von 500 Euro – wie ist das möglich?“. Zunächst einmal muss ich meine Gesprächspartner dann leider enttäuschen, denn die Antwort ist: gar nicht! Entspricht das Portrait von mir also nicht den Tatsachen? Doch es stimmt. In diesem Beitrag will ich versuchen diesen scheinbaren Widerspruch nachvollziehbar zu machen.

500 Euro reichen in meinem Fall dafür Miete und Sozialversicherungen zu bezahlen. Danach bleiben mir 4 Euro am Tag übrig. Das klingt nicht nur nach extrem wenig Geld, das ist auch wenig Geld. Eine Teilhabe an unserer (Markt-)Gesellschaft ist damit nicht annähernd gewährleistet. Soll gesellschaftliche Teilhabe gewährleistet werden, so ist wohl mindestens das Fünf- bis Sechsfache dieser Summe, also 20 – 25 Euro am Tag, notwendig. Dass ich von weniger Geld gut und zufrieden lebe, hat andere Gründe.

Diese Gründe sind vielseitig, sie haben aber im Wesentlichen eine gemeinsame Basis und zwar mein soziales Umfeld. Damit möchte ich auch gleich zu Beginn festhalten, dass ich kein einsamer Asket bin, sondern dass meine konsumkritische Lebensweise nur dadurch möglich wird, dass um mich herum noch viele weitere Menschen eine Lebensweise pflegen, welche weitestgehend außerhalb von marktwirtschaftlichen Austauschbeziehungen stattfindet. Anhand einiger Best-Practice-Beispiele suffizienter Lebensweise möchte ich dieses Prinzip und meine persönliche Lebensweise anschaulicher machen.