Multiple Krise des Finanzmarktkapitalismus

Konzepte und Leitbilder, Thesen

Krise und Krisenbewusstsein seien laut Demirovic nicht voneinander zu trennen. Ob ein Zustand als Krise wahrgenommen würde, ließe sich nicht objektiv bestimmen, auch wenn es meist einen objektiv wahrnehmbaren Kern gäbe, sondern sei Ergebnis eines subjektiven Verständigungsprozesses. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung bestimme dabei, welche Ursachen und auch Lösungsstrategien der Krise hegemonial würden. Dabei würden Krisendiskurse regelmäßig auch zur Durchsetzung politisch unpopulärer Maßnahmen genutzt.1

Advertisements

Finanzkapitalistische Landnahme

Konzepte und Leitbilder, Thesen

Durch den Einbruch der institutionalisierten Arbeitermacht im Zuge der Wirtschaftskrise von 1973-1975 würden laut Dörre auf dem Weltmarkt agierende Unternehmen zum bedeutenden gesellschaftlichen Machtfaktor. Angesichts rückgängiger Wachstumsraten im Produktionssektor würden Profite zunehmend an den Finanzmärkten erzielt. Das Ende der Vollbeschäftigung schwäche die Gewerkschaften, so dass diese sich auf die Vertretung ihrer Kernbelegschaft zurückzögen. Marktbegrenzende Institutionen würden im Finanzmarktkapitalismus als das nicht-kapitalistische Äußere begriffen, welches nun erneut landgenommen beziehungsweise rekommodifiziert werden könne. So hätte zum Beispiel die Kapitalisierung der Rentenversicherung dem Finanzkapital neue Profit- und Anlagemöglichkeiten erschlossen, wodurch die Überakkumulationskrise der 1970er Jahre schließlich hätte überwunden werden können.1

Sozial-ökologische Transformation – eine Antwort auf die multiple Krise?

Konzepte und Leitbilder, Thesen

Unser Verständnis des Wohlfahrtsstaates ist geprägt von den gesellschaftlichen Klassenkompromissen der Nachkriegszeit. In der kritischen sozialwissenschaftlichen Literatur wird diese Phase auch als Fordismus beschrieben. Diese Phase zeichnet sich durch eine Kopplung von Massenkonsum und Massenproduktion aus. Vorherrschend ist eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik, welche unter anderem als großes öffentliches Investitionsprogramm ausgelegt wird. Ohne nennenswerte Arbeitslosigkeit erstarkte die Arbeiterbewegung, welche in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen einen Ausbau des Sozialstaats zu einem umfassenden Fürsorgestaat durchsetzte.1