Was ist das eigentlich: Zeitwohlstand?

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Vor einiger Zeit habe ich mich bei einer Wanderung mit dem Vater einer guten Freundin unterhalten. Er kommt selbst aus armen Verhältnissen, ist in den 1950er Jahren geboren und war das älteste von drei Kindern seiner alleinerziehenden Mutter. Inzwischen ist er ein weltbekannter Professor und sieht seine drei Kinder meist zufällig, wenn er gerade mal wieder auf einem Kongress in einem ihrer Studienorte gelandet ist. Er lebt den „amerikanischen Traum“, hat es vom Tellerwäscher zum Millionär geschafft, doch bei dieser Wanderung im Harz erzählte er mir, dass ihm eines fehle: Zeit.

Ein solcher Trade-off zwischen Einkommen und Zeit ist zunächst einmal nicht sehr überraschend. Die Erzählung vom „amerikanischen Traum“, die wohl ein weltweiter Exportschlager ist, verspricht ja eben: Durch Arbeitsleistung, vereinfacht ausgedrückt, den Verzicht auf die freie Verfügung über seine Zeit, kann man zu materiellem Wohlstand kommen. Doch ist es wirklich dieser Tausch zwischen Einkommen und Zeit, für den sich jedes Individuum frei entscheidet? Oder ist diese Wahl nicht vielmehr in ein gesellschaftliches System eingebettet, welches diese Entscheidung bereits für einen getroffen hat? In dem Buch „Zeitwohlstand. Wie wir anders arbeiten, nachhaltig wirtschaften und besser leben“ des Konzeptwerks Neue Ökonomie diskutieren Hartmut Rosa, Niko Paech, Friederike Habermann, Frigga Haug, Felix Wittmann und Lena Kirschenmann diese und andere Fragen.

Analyse des Transformationsdiskurses

Kommentare, Konzepte und Leitbilder

Einem ersten Literaturüberblick zur sozial-ökologischen Transformation zufolge lassen sich vier Transformationsdiskurse nach ihrer Selbstzuschreibung unterscheiden (vgl. Kapitel 4.1). Zum einen lässt sich ein Diskurs um ein grünes Wachstum, einem grünen New Deal oder auch eine grüne Ökonomie beziehungsweise einem grünen Kapitalismus unterscheiden. Erklärtes Ziel dieses Diskurses ist es das gegenwärtige Wirtschaftssystem auf eine nachhaltige Basis zu stellen. Ein weiterer Diskurs hat einen sozial-ökologischen Umbau zum Ziel. In diesem Diskurs wird ebenfalls die Notwendigkeit anerkannt, dass das gegenwärtige Wirtschaftssystem nachhaltig umgestaltet werden müsse, im Fokus stehen jedoch die sozialen Folgen einer Transformation. Weiterhin wird ein kapitalismuskritischer Diskurs um einen grünen Sozialismus geführt. In diesem wird sich ebenfalls für eine soziale und ökologische Transformation ausgesprochen. Diese müsse jedoch mit einer Überwindung des Kapitalismus verbunden werden. Ein vierter Diskurs sammelt sich unter dem Begriff Degrowth. In diesem ist es nicht der Kapitalismus, sondern die Konsum- und Wachstumsgesellschaft die überwunden werden soll.

Das Konzept Arbeitszeitverkürzung im Vergleich

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Latouche fordert die Produktivitätsgewinne nicht weiter für eine Ausweitung der Produktion zu nutzen, sondern dafür die Arbeitszeit zu verkürzen und dabei Arbeit sogleich so umzuverteilen, dass neue Arbeitsplätze entstünden. Diese Arbeitszeitverkürzung geht bei Latouche mit einer Flexibilisierung der Arbeitswelt einher. Zeitarbeitsfirmen stellten einen Weg in diese Richtung dar. Der Mensch habe in der Regel zahlreiche Talente, die bei einem einzigen Beruf häufig nicht zur Geltung kämen. Latouche unterscheidet zwischen Freizeit und befreiter Zeit. Während erstere die nach der Arbeit übrig gebliebene Zeit beschreibe, welche von einer Freizeitindustrie beherrscht sei, sei letztere Zeit, in welcher Raum für bürgerschaftliches Engagement, kreative und soziale Tätigkeiten bliebe. Arbeitszeitverkürzung ist ein essentieller Teil dieser Transformationsstrategie.1

Institut Solidarische Moderne: Sozial-ökologischer Umbau

Kommentare, Konzepte und Leitbilder

Das Diskussionspapier „Sozialökologischer Gesellschaftsumbau auf dem Weg in eine Solidarische Moderne“ des Instituts Solidarische Moderne ist in einem Crossover-Prozess entstanden.1 Die Bearbeitung des Papiers oblag Dieter Klein. An der Mitwirkung waren unter anderem Katja Kipping, Andrea Ypsilanti, Sven Giegold und Ulrich Brand beteiligt.

Konzepte sozial-ökologischer Transformation

Konzepte und Leitbilder, Thesen

Im Diskurs um eine sozial-ökologische Transformation werden diverse Konzepte diskutiert. Jedes dieser Konzepte soll dazu beitragen die multiple Krise zu lösen. In diesem Kapitel wird eine Auswahl dieser Konzepte dargestellt. Diese Auswahl basiert auf der Durchsicht zahlreicher Aufsätze zur Transformation (vgl. Kapitel 4.2). Dargestellt werden dabei diejenigen Konzepte, die auf Grund ihrer Rezeption eine gewisse Relevanz innerhalb des Transformationsdiskurses haben. Die Literaturdurchsicht konnte jedoch nicht erschöpfend geleistet werden, so dass die Auswahl auf den Beobachtungen eines Ausschnitts des Transformationsdiskurses beruht (siehe Tabelle 2 im Anhang). Keine Berücksichtigung finden Transformationskonzepte, welche auf Marktmechanismen und technologische Innovationen setzen, da sich die sozial-ökologische Transformation gerade dadurch auszeichnet, dass sie über diese beiden Konzepte hinausgeht.