Call for Proposals: Alternative Arbeits- und Organisationsformen

Berichte

4. Workshop des Forums ‚Kritische Organisationsforschung‘, 8.-9. Oktober 2015, Technische Universität Chemnitz

Vom 8.-9. Oktober 2015 findet der 4. Workshop des Forums ‚Kritische Organisationsforschung‘ statt. Das grundsätzliche Anliegen der seit 2009 durchgeführten Workshops ist es, einen Dialog über Perspektiven kritischer Organisationsforschung und –analyse anzustoßen, welcher Entwicklungen und Perspektiven im akademischen Feld der Organisationsforschung einer kritischen Reflexion unterzieht, neue theoretische, methodische und empirische Impulse für die Organisationsforschung diskutiert sowie emanzipatorische Praktiken der Arbeit und des Organisierens in den Blick nimmt.

Der Schwerpunkt des diesjährigen Workshops liegt auf der Reflexion und Diskussion alternativer Arbeits- und Organisationsformen. Im Kontext der seit 2008 auftretenden multiplen Krisenereignisse erleben Diskussionen über sogenannte alternative Formen des Wirtschaftens einen (erneuten) Aufschwung. So werden etwa unter den Stichworten „solidarische Ökonomie“ (Voß 2010), „Gemeinwesensökonomie“ (Elsen 2007), „Economie Sociale“ (Jeantet 2010) oder unter Bezugnahme auf das Konzept der „Commons“ (Helfrich 2012) alternative Praktiken des Wirtschaftens und Organisierens thematisiert, welche im Selbstverständnis auf Partizipation, Selbstverwaltung und Solidarität ausgerichtet sind. In diesem Zusammenhang erfahren schließlich auch Kooperativen (Cheney et al. 2014; Paranque/Willmott 2014) und Genossenschaften neue Aufmerksamkeit (Allgeier 2011). Jenseits des wiedererwachten Interesses an emanzipatorisch-experimentellen Formen des Organisierens werden damit erstens auch Fragen nach den Möglichkeiten und Grenzen einer Demokratisierung der Wirtschaft (Demirovic 2007, Wächter 2010) sowie der Partizipation und Mitbestimmung in Organisationen berührt. Zweitens verschränkt sich die Reflexion alternativer Organisationsformen auch mit aktuellen wachstumskritischen Debatten (D’Alisa et al. 2014). Berührt und möglicherweise in Frage gestellt wird damit ein Hauptnarrativ der Managementforschung, welches sich beispielhaft im Vokabular des Wettbewerbs oder der Exzellenz findet.

Vor diesem Hintergrund sind die Ziele des diesjährigen Workshops:

1. eine Vermessung und Kartierung der Formen alternativen Organisierens und Arbeitens vorzunehmen;
2. über die emanzipatorischen Möglichkeiten als auch der (organisationalen und gesellschaftlichen) Grenzen von auf Solidarität, Selbstverwaltung und Gemeinwesensorientierung abzielenden Organisationsformen zu diskutieren;
3. Einblicke in lokale als auch darüber hinausreichende Praktiken, Diskurse und Narrative zu gewinnen, welche die spezifische Initiierung und Herstellung von ‚Alternativen‘ bedingen, diese begünstigen (etwa i.S. von ‚shelter organizations‘ – Doucouliagos 1990), scheitern lassen oder auch verhindern können.

Im Rahmen dieses Schwerpunkts freuen wir uns sowohl über konzeptionelle Beiträge als auch über theoretisch fundierte empirische Einreichungen, welche auf die Ziele Bezug nehmen oder auch weitere Themen für die Analyse alternativer Arbeits- und Organisationsformen adressieren.

Neben dem Schwerpunktthema verfolgt der Workshop wie bisher zwei generelle Zielstellungen, welche zugleich den Rahmen für weitere mögliche Beiträge umreißen:
Zum einen sollen in programmatischer Hinsicht Möglichkeiten und Grenzen einer kritischen Organisationsforschung diskutiert werden. Mögliche Fragen dafür sind: Welche Formen einer kritischen Forschung lassen sich identifizieren? Auf welche Traditionen kann sich eine kritische Forschung beziehen und welche Entwicklungen lassen sich aufzeigen? Welche philosophischen und sozialtheoretischen Zusammenhänge, welche Autor_innen, Theorien und Methoden eröffnen Perspektiven einer kritischen Forschung? Zum anderen sind Beiträge willkommen, in denen inhaltliche Perspektiven einer kritischen Organisationsforschung erfasst und diskutiert werden. Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit und Trennschärfe sind folgende Suchrichtungen denkbar:

1. die Reflexion des Zusammenhanges von Organisationspraxis und -forschung mit gesellschaftlichen Problemstellungen (Stichworte sind u.a.: Ökologie, Gender, Gestalt und Wandel von Arbeitsverhältnissen, gesellschaftliche In- und Exklusion, Stellung der Ökonomie und deren Macht-/Wissensformen in der Gesellschaft);
2. Machttheoretisch fundierte Analysen von Organisationen, welche auf den Zusammenhang von Macht, Herrschaft und Organisation abzielen;
3. Diskurs- und dispositivanalytische Arbeiten, welche den Zusammenhang von Sprache, Organisation und Ökonomie in den Blick nehmen;
4. Die Reflexion des eigenen Fachbereiches in Forschung und Lehre, nicht zuletzt zu dessen Einbindung in gesellschaftliche, ökonomische und (bildungs-)politische Zusammenhänge.

Einreichung

Die Einreichung von Abstracts (mit 500 – 700 Wörtern) per E-Mail an ronald.hartz@wirtschaft.tu-chemnitz.de ist bis zum 31.05.2015 möglich. Eine Rückmeldung über eine Annahme der Beiträge erfolgt bis Ende Juni.

Call for Proposals


Quellen

Doucouliagos, C. (1990): Why Capitalist Firms Outnumber Labor-Managed Firms. In: Review of Radical Political Economics 22, 44-66.

Voß, E. (2010): Wegweiser Solidarische Ökonomie. Anders Wirtschaften ist möglich. Neu – Ulm.

Elsen, S. (2007): Die Ökonomie des Gemeinwesens: Sozialpolitik und soziale Arbeit im Kontext von gesellschaftlicher Wertschöpfung und -verteilung. Weinheim.

Jeantet, T. (2010): Economie Sociale – eine Alternative zum Kapitalismus. Marburg.

Helfrich, S. (Hg.) (2012): Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat. Bielefeld.

Allgeier, M. (Hg.) (2011): Solidarität, Flexibilität, Selbsthilfe. Zur Modernität der Genossenschaftsidee. Wiesbaden.

Cheney, G./Santa Cruz, I./Peredo, A. M./Nazareno, E. (2014): Worker cooperatives as an organizational alternative: Challenges, achievements and promise in business governance and ownership. In: Organization 21 (5), 591–603.

Paranque, B./Willmott, H. (2014): Cooperatives–saviours or gravediggers of capitalism? Critical performativity and the John Lewis Partnership. In: Organization 21 (5), 604-625.

Demirovic, A. (2007): Demokratie in der Wirtschaft. Positionen – Probleme – Perspektiven. 1. Aufl. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot.

Wächter, H. (2010): Möglichkeiten und Grenzen der Wirtschaftsdemokratie – Der Fall Hoppmann. In: Zeitschrift für Personalforschung 24(1), 7-28.

D’Alisa, G./Demaria, F./Kallis, G. (Hg.) (2014): Degrowth. A vocabulary for a new era. Taylor & Francis.

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