Fünf mögliche Welten sozial-ökologischer Transformation

Konzepte und Leitbilder, Thesen

Strukturiert man die Transformationsstrategien entlang dieser Metadiskussionen ergeben sich verschiedene mögliche Leitbilder einer sozial-ökologischen Transformation. Auf der ökonomischen Ebene können entsprechend der Analyse des Transformationsdiskurses zwei Positionen unterschieden werden: Befürworter von Wachstum und Globalisierung und Befürworter von Postwachstum und Regionalität. Zieht man die gesellschaftliche Ebene hinzu, so können diese beiden Positionen weiter ausdifferenziert werden. Zum einen in kulturkritische Positionen, welche sich für einen Wandel von Kultur und Demokratie aussprechen, und zum anderen in solche, die einen solchen Wandel nicht für notwendig halten. Die politisch-ökonomische Ebene vervollständigt das Bild. Hier können solidarische Positionen, die sich für entkommerzialisierte soziale Räume und sozialstaatliche Umverteilung aussprechen, von marktorientierten Positionen unterschieden werden, die Ressourcenallokation und -distribution hauptsächlich über den Markt organisieren wollen.

Diese Positionierungen lassen sich theoretisch beliebig kombinieren. Zum Abschluss dieser Arbeit werden jedoch fünf mögliche Leitbilder beziehungsweise Welten einer sozial-ökologischen Transformation skizziert, deren weitere Untersuchung sich lohnen kann. Die Begrifflichkeiten orientieren sich an den Selbstzuschreibungen innerhalb der verschiedenen Diskurskontexte (vgl. Kapitel 4.1). Es wird jedoch nicht der Anspruch erhoben, dass die hier skizzierten Leitbilder mit den erstrebenswerten Idealen dieser Diskurskontexte identisch sind. Die hier skizzierten Leitbilder können nur einen ersten möglichen Einblick geben. Notwendig wäre es, sie in weiteren Vergleichsarbeiten zu überprüfen und gegebenenfalls zu erweitern, zu verändern oder zu verwerfen.

Als Grünes Wachstum könnte ein Leitbild bezeichnet werden, in welchem Wachstum und Globalisierung zentrale Bestandteile einer transformierten Gesellschaft sind. Veränderungen von Kultur und Demokratie werden nicht als Teile einer Transformationsstrategie betrachtet. Notwendige Verhaltensänderungen hin zu einer nachhaltigen Lebensweise werden hauptsächlich durch ökonomische Anreize bewirkt. Generell wird dem Markt auch bei der Ressourcenallokation und -distribution Vorrang eingeräumt. Exemplarisch ließen sich das UNEP und die OECD diesem Typus zuordnen.

Eine kulturkritische Variante dieses Typus lässt sich als Grüner Gesellschaftsvertrag bezeichnen. Dieses Leitbild teilt ebenfalls den Glauben an eine durch Wachstum und Globalisierung unterstützte Effizienzrevolution. Anders als im reinen Typus des Grünen Wachstums werden jedoch ein kultureller Wandel und eine Vertiefung demokratischer Teilhabe für wichtige Voraussetzungen einer erfolgreichen Transformation gehalten. Der WBGU käme diesem Typus nahe.

Als Sozial-ökologischen Umbau könnte ein Leitbild bezeichnet werden, welches dem Leitbild Grünes Wachstum folgend Wachstum und Globalisierung zum Ziel hat und wie dessen kulturkritische Variante eines Grünen Gesellschaftsvertrages eine kulturelle und demokratische Erneuerung für notwendig hält. Im Unterschied zu diesen beiden Welten einer sozial-ökologischen Transformation wird jedoch weiterhin eine Einbettung des Marktes in die Gesellschaft beziehungsweise dessen Zurückdrängung als Ziel einer sozial-ökologischen Transformation verfolgt. Das ISM ließe sich diesem Typus zuordnen.

Unter Mäßigung lässt sich ein Leitbild fassen, welches sich für eine Unabhängigkeit vom Wachstum und für eine regionale Wirtschafts- und Lebensweise ausspricht. Kulturelle Veränderung ist ebenfalls ein Kernelement dieses Leitbildes einer sozial-ökologischen Transformation. Miegel ließe sich diesem Typus zuordnen. Doch auch Paech kommt diesem Leitbild ziemlich nahe, jedoch schlägt er ergänzend eine Abkehr von Fremdversorgung vor. Paech steht also einer Ressourcenallokation über den Markt teilweise kritisch gegenüber, worin er mit dem letzten dieser fünf möglichen Leitbilder übereinstimmt.

Degrowth kann als eigenständige Variante des Leitbilds Mäßigung verstanden werden. Wachstumsunabhängigkeit und Regionalität sind in diesem Leitbild ebenso bedeutsam wie kulturelle Veränderung. Ergänzt wird das Leitbild Mäßigung jedoch um Forderungen nach einer Ausweitung und Vertiefung demokratischer Mitsprache sowie einer Entkommerzialisierung weiter Bereiche der Gesellschaft. Darüber hinaus sollen soziale Unterschiede eingeebnet werden. Latouche kann als Repräsentant dieses Typus betrachtet werden.

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