Das Konzept Internationale Lösungsstrategien im Vergleich

Kommentare, Konzepte und Leitbilder

Latouche spricht sich für eine Relokalisierung von Wirtschaftskreisläufen aus (vgl. Kapitel 6.3). Diese Relokalisierung beinhalte jedoch nicht bloß ökonomische Autonomie, sondern ebenso lokale Formen der Demokratie. Seine Strategie führt Latouche zurück auf entwicklungskritische Diskurse. In diesem Zusammenhang werden von ihm auch Instrumente der Global Governance wie der Clean Development Mechanism1 kritisiert. Die WTO könne durch eine World Localization Organziation ersetzt werden, welche lokale Produktionsprozesse vor dem Weltmarkt schütze. In internationale Lösungsstrategien setzt Latouche letztlich jedoch wenig Hoffnung, statt dessen hebt er bereits wirkende lokale Initiativen hervor. Eine eindeutige Zuordnung ist nicht möglich.2

Paech sieht die globale Arbeitsteilung als ursächlich für die ökologische Krise, welche es zu minimieren gelte.3 Dennoch finden sich bei ihm auch Vorschläge für die globale Ebene, diese gehen über Effizienz- und Konsistenzvorschlägen jedoch nicht hinaus.4 Paech kritisiert zudem die ökologischen Folgen internationaler Konferenzen.5 Eine Zuordnung zu dem Konzept internationale Lösungsstrategien ist letztlich nicht eindeutig möglich.

Miegel betont in seinem Buch die Relevanz der Nation. Statt globalem materiellen Wettbewerb solle der kulturelle Beitrag einer Nation an Bedeutung gewinnen. Zu internationalen Lösungsstrategien nimmt Miegel hingegen keine Stellung, so dass eine Zuordnung nicht vorgenommen werden kann.6

Das ISM kritisiert die mangelnde Kontrolle von Marktgiganten beziehungsweise Global Players. Eine Demokratisierung, also Beteiligung der Bevölkerung an politischen Entscheidungsprozessen, über die Nation hinaus sei notwendig, auch wenn dieser enge Grenzen gesetzt seien. Eine demokratische Reform der internationalen Organisationen wie IWF, Weltbank und den Vereinten Nationen benötige eine internationale Zivilgesellschaft. Das ISM betont zudem den engen Zusammenhang zwischen einer Lösung der Finanz- und Staatsschuldenkrise und einer sozial-ökologischen Transformation. Zur Lösung dieser Krise bedürfe es unter anderem auch internationaler Strategien wie Euro-Bonds oder ein europäisches Investitionsprogramm. Das ISM befürwortet demnach internationale Lösungsstrategien.7

Beim WBGU rücken internationale Lösungsstrategien ebenfalls in den Fokus, so wird eine Transformation globaler Politikgestaltung eingefordert. Die Vorschläge des WBGU gehen von einem globalen Emissionshandel über eine Europäisierung der Energiepolitik oder ein internationales Klimaschutzregime bis zu einer grundlegenden Erneuerung globaler Kooperation. Die Vereinten Nationen könnten so verändert werden, dass die planetarischen Leitplanken zu einem Leitmotiv würden. Internationale Lösungsstrategien nehmen in der Transformations­strategie des WBGU demnach eine herausragende Stellung ein.8

Die OECD sieht ebenfalls in einer verstärkten internationalen Kooperation einen wichtigen Beitrag zur Transformation. Allerdings geht es ihr im Gegensatz zum WBGU nicht um eine Reform der Global Governance, sondern mehr um eine Intensivierung multilateraler Kooperation. Wie das ISM berücksichtigt die OECD auch den internationalen Kapitalmarkt und sieht die Aufgabe einer Transformation darin diesen so zu lenken, dass er sowohl Wachstum fördere als auch die globalen Gemeingüter schütze. Zudem sei öffentliche Entwicklungszusammenarbeit ein wichtiges Element, um grünes Wachstum auch dort zu ermöglichen, wo privates Kapital nicht investiert würde. In dieser Auffassung steht die OECD im direkten Widerspruch zu Latouches entwicklungskritischer Auffassung. Insgesamt verfolgt die OECD demnach internationale Lösungsstrategien.9

Auch das UNEP setzt auf internationale Kooperation. Darüber hinaus weist das UNEP auf die Wirkungsmacht von Global Governance als Unterstützung von nationalen Regierungen hin. Insbesondere einer Post-Kyoto-Vereinbarung wird ein sehr hoher Stellenwert eingeräumt. Ebenso wird der Stellenwert von internationalen Kapitalflüssen und internationalem Handel berücksichtigt. So setzt auch das UNEP auf internationale Lösungsstrategien.10

Bis auf Latouches entwicklungskritische Perspektive werden internationale Lösungsstrategien im Allgemeinen befürwortet. Auch Latouche lehnt diese nicht vollkommen ab, weist aber auf deren Effekt hin, teilweise Abhängigkeiten zwischen früh- und spätindustrialisierten Ländern zu verstärken. Innerhalb des Diskurses um internationale Lösungsstrategien lassen sich hingegen Positionen wie die vom WBGU und dem ISM unterscheiden, die eine demokratische Reform internationaler Organisationen fordern und solche Positionen wie von dem UNEP und der OECD, bei denen die Intensivierung internationaler Beziehungen im Vordergrund stehen. Paech und Miegel stehen der globalen Arbeitsteilung kritisch gegenüber, nehmen aber keinen Bezug zu internationalen Lösungsstrategien.

1Der Clean Development Mechanism ermöglicht es Industriestaaten CO2-Emissionzertifikate in Entwicklungsländern zu kaufen.

2Vgl. zu diesem Absatz Latouche (2009), S. 11 ff. und S. 44 ff.

3Vgl. Paech (2012), S. 119.

4Vgl. Paech (2012), S. 151.

5Vgl. Paech (2012), S. 51 f.

6Vgl. zu diesem Absatz Miegel (2010), S. 211 ff.

7Vgl. zu diesem Absatz ISM (2011), S. 17 und S. 21 f.

8Vgl. zu diesem Absatz WBGU (2011), S. 7 ff. und S. 20.

9Vgl. zu diesem Absatz OECD (2011a), S. 13 f.

10Vgl. UNEP (2011b), S. 33 f. und UNEP (2011a), S. 551.

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