Strategien sozial-ökologischer Transformation

Kommentare, Konzepte und Leitbilder

Die Auswahl der Transformationsstrategien orientiert sich an zwei Kriterien. Zum einen sollen möglichst repräsentative Strategien untersucht werden, die nicht nur für sich selbst stehen, sondern ebenso in einen Diskurskontext eingebunden werden können (vgl. Kapitel 4.1). Zum anderen zeichnen sich die ausgewählten Transformationsstrategien durch eine möglichst breite Rezeption aus. Eine Objektivierung dieser beiden Kriterien ist im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich, anhand dieser Kriterien wird jedoch eine begründete Auswahl der Transformationsstrategien getroffen.

Das Strategiepapier „Towards a Green Economy“ des UNEP steht repräsentativ für einen Diskursstrang um die Grüne Ökonomie. In diesem Diskurs wird im Wesentlichen auf eine ökologischere Ausrichtung unseres gegenwärtigen Wirtschaftssystems gesetzt. Das Strategiepapier des UNEP wurde insbesondere im Vorfeld der Rio+20-Konferenz breit rezipiert. Zudem gibt es einen Einblick in die internationale Diskussion um eine sozial-ökologische Transformation.

Die OECD hat sich mit ihrem Strategiepapier „Towards green growth“ ebenfalls in den Diskurs um eine Grüne Ökonomie eingebracht. Die OECD repräsentiert eine Win-Win-Argumentation, welche im Diskurs um eine sozial-ökologische Transformation existiert. Ökonomische, ökologische und soziale Probleme stünden nicht im Widerspruch, sondern könnten mit der richtigen Strategie gemeinsam gelöst werden. Als offizielles Strategiepapier der Mitgliedsländer der OECD bildet es einen wichtigen Bestandteil der Debatte.

Das Gutachten des WBGU „Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation“ ist innerhalb Deutschlands breit rezipiert worden. Dieses Strategiepapier knüpft an den Diskurs um eine Grüne Ökonomie an, verbindet diesen jedoch mit dem Anspruch einer großen Transformation. Der WBGU nimmt wie das UNEP eine globale Perspektive ein, setzt aber unter anderem mit dem Fokus auf neue demokratische Beteiligungsformen eigene Schwerpunkte.

Das Strategiepapier „Sozial-ökologischer Gesellschaftsumbau“ des ISM ist im Vergleich zu diesen großen Studien wenig rezipiert. Als Gemeinschaftspapier von bekannten Protagonisten der SPD, Bündnis 90/Die Grünen, der LINKE und NGOs lässt sich jedoch von einem relevanten Einfluss dieser Strategie innerhalb der beteiligten Parteien und Verbände ausgehen.1 Es repräsentiert einen Diskursstrang innerhalb des Transformationsdiskurses, in welchem sich Teile der traditionellen gesellschaftlichen Linken wiederfinden.

Meinhard Miegel ist mit seinem Buch „Exit – Wohlstand ohne Wachstum“ als Vertreter eines konservativen Transformationsdiskurses hervorgetreten. Miegel war Mitglied der Enquete „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ für die CDU. Sein Buch wird inzwischen auch in einer Ausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung vertrieben und erzielt damit eine gewisse Breitenwirkung. Als ehemaliger Vorsitzender des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn, welches in das „Denkwerk Zukunft – Stiftung kulturelle Erneuerung“ überging, nahm und nimmt Miegel wesentlichen Einfluss auf den deutschen Konservatismus. Im Fokus seiner Arbeit steht die These, dass die Gesellschaft über ihre Verhältnisse leben würde.2

Niko Paech spricht sich in seinem Buch „Befreiung vom Überfluss“ für eine bottom-up Perspektive aus. In seine Transformationsstrategie nimmt er relativ umfassend zahlreiche unterschiedliche Transformationskonzepte auf, welche auf kleinteilige Veränderungen setzen, die direkt von der Bevölkerung ausgehen. Damit steht Paech in gewisser Weise repräsentativ für einen breiten Diskursstrang, wie er in vielen kleinen Suffizienz- und Subsistenzprojekten geführt wird. Insbesondere in der Postwachstumsdebatte ist Paech stark vertreten, aber auch darüber hinaus prägt er den öffentlichen Diskurs.

Serge Latouche gilt mit seinem Buch „Farewell to Growth“ als Vater der Degrowth beziehungsweise Décroissance Bewegung.3 Diese Bewegung stellt Wachstumskritik in den Fokus und hat in den letzten Jahren ausgehend von Südeuropa und entwicklungskritischen Diskursen in Afrika und Lateinamerika auch Deutschland erreicht. Dieser Diskurs wird tendenziell kapitalismuskritisch geführt. Interessant ist dieser Diskurs insbesondere deshalb, weil er von einer Bewegung getragen wird, die sich erst parallel zur Debatte um eine sozial-ökologische Transformation entwickelt hat. In drei internationalen Konferenzen 2008 in Paris, 2010 in Barcelona und 2012 in Venedig hat dieser Diskursstrang auch eine gewisse Öffentlichkeit erreichen können. Oft wird Degrowth aber auch als Antipode herangezogen, so zum Beispiel in Ralf Fücks aktuellem Buch „Intelligent wachsen“.4

1An dem Papier waren unter anderem Katja Kipping (LINKE), Sven Giegold (GRÜNE) und Andrea Ypsilanti (SPD) beteiligt.

2Vgl. Miegel (2010), S. 13 ff.

3Vgl. Latouche (2009), S. Vii.

4Vgl. Fücks (2013).

Advertisements

3 Gedanken zu “Strategien sozial-ökologischer Transformation

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s