Auswertung des Transformationsdiskurses

Konzepte und Leitbilder, Thesen

Der gegenwärtige Transformationsdiskurs um eine ökologisch und sozial nachhaltige Gesellschaft wird, wie im vorherigen Teil der Arbeit gezeigt werden konnte, sehr breit geführt. Die These ist, dass dieser Diskurs sich dadurch auszeichnet, dass es zwar sehr viele verschiedene Strategien einer Transformation gibt, diese jedoch kaum aufeinander Bezug nehmen. Dadurch wird es schwierig Gegensätze und Gemeinsamkeiten herauszufiltern und vorliegende Diskurshegemonien ausfindig zu machen. Die mangelnde Konkretisierung der Debatte erschwert eine Übersetzung des Diskurses in gesellschaftspolitische Leitbilder. Auch behindert die fehlende gegenseitige Bezugnahme innerhalb des Transformationsdiskurses eine Strukturierung der Debatte.

In diesem Teil der Arbeit wird eine solche Strukturierung anhand von ausgewählten Transformationsstrategien vorgenommen. Auch wenn die verschiedenen Transformationsstrategien nur wenig Bezug aufeinander nehmen, so gibt es doch wichtige Transformationskonzepte, welche den Diskurs dominieren. Über einen Vergleich der Transformationsstrategien anhand dieser Konzepte können schließlich Gemeinsamkeiten und Gegensätze der Transformationsstrategien herauskristallisiert werden. Derweil haben die verschiedenen Transformationsstrategien auch ihre jeweils spezifischen Lösungsvorschläge für die multiple Krise, die sich nicht miteinander in Vergleich setzen lassen. Dies hat zur Folge, dass der hier vorgenommene Vergleich kein umfassendes Bild der jeweils untersuchten Transformationsstrategien produzieren kann. Ziel ist es demnach auch nicht Strategien gleich zu setzen, die in diesem Vergleich die selben Konzepte heranziehen, sondern vielmehr ihr gemeinsames Leitbild herauszustellen. Dabei wird die These vertreten, dass innerhalb des Transformationsdiskurses bisher kein einheitliches Leitbild existiert.

Da eine Auswertung des gesamten Diskurses in dieser Arbeit nicht zu leisten ist, wird eine Beschränkung auf aktuell rezipierte Transformationsstrategien vorgenommen. Diese sollen sich durch ihre umfassende Konzeptionierung auszeichnen, also in ihrer Strategie mehrere Transformationskonzepte vereinen. Nicht berücksichtigt werden demnach Strategien, die sich in die Debatte um eine sozial-ökologische Transformation mit Konzeptvorschlägen einbringen ohne diese in eine umfassendere Transformationsstrategie einzubetten. Weiterhin sollen die ausgewählten Transformationsstrategien möglichst die komplette Breite des Diskurses repräsentieren. Neben ausgewählten Büchern liegt der Fokus auf so genannter grauer Literatur.1 Dieser Fokus begründet sich zum einen dadurch, dass der Diskurs um eine sozial-ökologische Transformation bisher kaum Eingang in die Fachliteratur gefunden hat, und zum anderen dadurch, dass für die Untersuchung gesellschaftlicher Leitbilder eine Untersuchung der öffentlichen Diskussion vielversprechender ist. Die Untersuchung von Fachliteratur könnte bei dieser Analyse zu einem Publikationsbias führen, welcher nicht die gesamte Breite der Diskussion darstellte. Ebenso werden die Beiträge so ausgewählt, dass sie ein möglichst breites gesellschaftliches Spektrum abdecken. Ausgewählt wurden „Towards a Green Economy“ des United Nations Environment Programme (UNEP), „Towards Green Growth“ der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD), das Gutachten des WBGU „Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation“, „Sozial-ökologischer Gesellschaftsumbau“ des Instituts Solidarische Moderne (ISM), das Buch “Exit. Wohlstand ohne Wachstum” von Meinhard Miegel, das Buch “Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in eine Postwachstumsökonomie“ von Niko Paech sowie das Buch „Farewell to Growth“ von Serge Latouche.2

Mittels des Schneeballsystems ergibt sich bei Durchsicht der grauen Literatur sowie einschlägiger Aufsätze und Bücher ein breites Spektrum an Beiträgen im Kontext einer sozial-ökologischen Transformation (vgl. Kapitel 4.1). Aus den untersuchten Beiträgen lassen sich eigene Subdiskurse innerhalb des Diskurses um eine sozial-ökologische Transformation herausfiltern (vgl. Kapitel 4.2). In diesen Subdiskursen werden verschiedene Transformationskonzepte diskutiert (vgl. Kapitel 4.3). Die ausgewählten Transformationsstrategien (vgl. Kapitel 5) werden schließlich anhand dieser Transformationskonzepte sozial-ökologischer Transformation miteinander verglichen (vgl. Kapitel 6).

Die These ist, dass dabei ein lückenhaftes Bild entstehen wird. Obwohl recht umfassende Transformationsstrategien herangezogen werden, positionieren diese sich nicht zu jedem Konzept. Der Diskurs findet demnach trotz seines integrativen Anspruchs zum Großteil innerhalb der Subdiskurse statt. Es soll gezeigt werden, dass die sozial-ökologische Transformation sich durch eine Vielzahl an Konzepten auszeichnet, relevante Transformationsstrategien widersprechen sich dabei jedoch teilweise. Dies führt zu der These, dass die sozial-ökologische Transformation kein einheitliches politisches Projekt ist. Vielmehr bezeichnet sie bisher einen noch sehr offen geführten Diskurs.

1Graue Literatur ist nicht über den Buchhandel oder Journals zugänglich, sondern wird direkt von den Herausgebern angeboten, z.B. Publikationen von NGOs.

2Vgl. ISM (2011); Latouche (2009); Miegel (2010); OECD (2011a); Paech (2012); UNEP (2011a); WBGU (2011).

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2 Gedanken zu “Auswertung des Transformationsdiskurses

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