Sozial-ökologische Transformation – ein neues Verständnis von Wohlstand

Kommentare, Konzepte und Leitbilder

Der Diskurs um eine sozial-ökologische Transformation zeigt, dass Wohlstand breiter zu verstehen ist denn als Zunahme materieller Güter. Erkenntnisse aus dem Umwelt- und Klimadiskurs um die Folgen eines auf die Verteilung von Wachstumszugewinnen ausgelegten Wohlstandsverständnisses haben zu einem Umdenken geführt. Es ist ein Bewusstsein über die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Krisenphänomenen einer multiplen Krise entstanden (vgl. Kapitel 2.3).

Wohlstand wird in diesem Diskurs tendenziell weniger als Mehrung von Güterwohlstand begriffen, sondern im Sinne des Fähigkeitenansatzes (vgl. Kapitel 2.1) als Mehrung von Möglichkeiten. Gerade diese Verschiebung im Wohlstandsverständnis sensibilisiert für die wohlfahrtsmindernde Wirkung von Umweltproblemen. Zwar kann mit einer umweltschädlichen Produktionsweise noch eine hohe Gütermenge produziert werden, doch zerstört diese zugleich künftige und teilweise auch gegenwärtige Optionen, indem Lebensgrundlagen teilweise unwiederbringlich verloren gehen.

Die Finanzkrise von 2007, welche sich zur Staatsschuldenkrise ausgeweitet hat, führt zur Infragestellung der neoliberalen Hegemonie. Marktlösungen werden nicht mehr unhinterfragt akzeptiert stattdessen gewinnen politische und gesellschaftliche Problemlösungen an Relevanz. Im Diskurs um eine sozial-ökologische Transformation wird der finanzkapitalistischen Landnahme eine Wiedereinbettung der Ökonomie entgegen gehalten (vgl. Kapitel 2.2). Der Prozesscharakter gesellschaftlicher Veränderung und damit die Demokratiefrage sind in den Fokus der öffentlichen Debatte gerückt.

Bisher handelt es sich bei diesem Diskurs vor allem um eine normative Debatte, welche sich bisher durch wenige wissenschaftliche Veröffentlichungen auszeichnet. Dafür bezieht dieser Diskurs große Teile der Gesellschaft mit ein, von der radikalen Linken über die gewerkschaftliche und sozialdemokratische Linke bis zu konservativen und liberalen Kräften (vgl. Kapitel 2.4).

Im zweiten Teil dieser Arbeit werden die Transformationskonzepte herausgearbeitet, welche dieser Debatte zu Grunde liegen. Mittels eines Vergleichs von ausgewählte Transformationsstrategien wird deren Stellenwert im Transformationsdiskurs aufgezeigt. Es sollen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten innerhalb dieses Diskurses deutlich werden.

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