Abgrenzung von Transition und Transformation

Konzepte und Leitbilder, Thesen

In der Debatte um die sozial-ökologische Transformation werden die Begrifflichkeiten Transition und Transformation häufig synonym verwendet, ohne dass eine Begriffsbestimmung vorgenommen wird. Beiden Begriffen liegt jedoch ein unterschiedliches Fundament zugrunde.

Transition meint in der Regel den Übergang von einem gesellschaftlichen Teilsystem in ein anderes. Dies kann zum Beispiel ein Pfadwechsel gesellschaftlicher Institutionen sein. Eine solche Transition ist dabei in der Regel ein bewusster und politisch beeinflusster Prozess. Transition wäre demnach vor allem ein normativer Begriff, mit welchem verschiedene mögliche gesellschaftliche Pfadwechsel beschrieben werden.1

Transformation meint hingegen den umfassenden Wandel eines gesellschaftlichen Gesamtsystems. Es findet demnach nicht bloß ein Wandel gesellschaftlicher Teilsysteme statt, sondern der Wandel umfasst sowohl die politische Sphäre, als auch die ökonomische und die kulturelle Sphäre. Der Wandel Osteuropas nach 1990 ließe sich als Transformation beschreiben, da hier neben dem Wirtschaftssystem auch das politische System und relevante gesellschaftliche Beziehungssysteme einen Bruch mit dem vorherigen staatssozialistischen System vollzogen. In Transformationsprozesse fließen zwar ebenfalls politische Regulierungen ein, der Prozess geht jedoch über diese hinaus. Polanyi bezeichnet in seiner Großen Transformation den Übergang feudaler Beziehungen in kapitalistische Beziehungen als Transformation. Also einen Prozess, welcher einen allgemeinen gesellschaftlichen Wandel nach sich gezogen hat. Transformation wäre demnach ein eher analytischer Begriff, mit welchem Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse beschrieben werden.2

Entsprechend dieser Begriffsbestimmung handelt es sich bei der Debatte um die sozial-ökologische Transformation, wie sie in dieser Arbeit definiert wurde, eigentlich um eine Transitionsdebatte. Die Debatte dreht sich um Konzepte, also formulierte Gedankengerüste zur Realisierung der sozial-ökologischen Transformation und Leitbilder, also erstrebenswerte Ideale einer sozial-ökologischen Transformation. Der Diskurs ist damit vor allem normativ bestimmt.

Dem gegenüber steht ein analytischer Diskurs. Dieser analysiert die Transformation der Mensch-Umwelt Beziehungen. Haberl und andere beschreiben den Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft als eine soziometabolische Transformation.3 Diese Transformation verändere die Beziehung zwischen Mensch und Natur grundlegend. Durch die veränderte Lebensweise entstünden jedoch neue Nachhaltigkeitsprobleme.4 Brand betont weiterhin die Notwendigkeit einer kritische Transformationsdebatte, welche den Gegensatz von Gesellschaft und Umwelt in ihrer Analyse aufhebe und die Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise sowie der Hegemonie der gegenwärtigen Produktions- und Lebensweise stärker in die Analyse mit einbezöge.5

Die Übergänge zwischen einer analytischen Bestimmung der Transformation und einer normativen Bestimmung der Transition sind fließend. Die Analyse bildet zum einen die Basis für zahlreiche normative Transitionsbeiträge, zum anderen ist auch die Analyse nicht wertfrei. Brand betrachtet den Grünen Kapitalismus als eine mögliche neue Regulationsform gesellschaftlicher Naturverhältnisse, in welcher die multiple Krise durch eine verstärkte Inwertsetzung der Natur bei zeitgleicher Ausweitung der imperialen Lebensweise bearbeitet würde. Hierbei handle es sich um eine Transformation. Im Unterschied dazu stehe nach Brand die Strategie einer Grünen Ökonomie wie sie unter anderem auf den internationalen Klimakonferenzen propagiert würde. Es bestehe die Möglichkeit, dass diese Transitionsstrategie wirkmächtig werden könnte und zu einem gesellschaftlichen Wandel führen könne. Auf Grund ihres normativen Gehalts handele es sich um eine Transition.6

Der Begriff sozial-ökologische Transformation wird jedoch im allgemeinen in der normativen Transitionsdebatte gebraucht. Entsprechend wird dieser Begriff in dieser Arbeit auch für die Transitionsdebatte verwendet, obwohl dies eine begriffliche Unschärfe darstellt. Der Transformationsbegriff soll derweil die Reichweite der angestrebten gesellschaftlichen Veränderung hervorheben. Die analytische Transformationsdebatte wird in dieser Arbeit nur am Rande Erwähnung finden und nur insofern sie relevant für die normative Transitionsdebatte ist.

1Vgl. zu diesem Absatz Brand (2012), S. 118 ff.

2Vgl. zu diesem Absatz Brand (2012), S. 121 ff.

3Vgl. Haberl u. a. (2011).

4Vgl. Haberl u. a. (2011), S. 3.

5Vgl. Brand (2012), S. 126 f.

6Vgl. zu diesem Absatz Brand (2012), S. 127 ff.

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2 Gedanken zu “Abgrenzung von Transition und Transformation

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