Sozial-ökologische Transformation

Konzepte und Leitbilder, Thesen

Diese multiple Krise des Finanzmarktkapitalismus bildet die Basis der Diskussion um eine sozial-ökologische Transformation. Aus dem Verständnis der gegenwärtigen Krisen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft als eine multiple, miteinander in Verbindung stehende Krise ergibt sich für die Transformationsdebatte die Notwendigkeit eines systemischen Lösungsansatzes.

Die multiple Krise wird als Folge des Finanzmarktkapitalismus betrachtet, also einem System, welches auf die Selbstheilungskräfte des Marktes setzt.1 Marktversagen wird in diesem System als Folge zu starker politischer Regulierung verstanden. Zugleich wird durch politische Einflussnahme die Ausweitung des Marktmechanismus durchgesetzt (vgl. Kapitel 2.2). In einem Sondervotum der Opposition zur Enquete „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ wird die sozial-ökologische Transformation wie folgt definiert:

„Mit dem Begriff der sozial-ökologischen Transformation werden jene Strategien gefasst, die auf eine bewusste gesellschaftspolitische Gestaltung zur Bearbeitung der multiplen Krise setzen und nicht zuvorderst auf den kapitalistischen (Welt-)Markt, der vermeintlich auf die ökologischen Probleme mittels Technologien und Knappheitssignalen reagiert. Wie im Adjektiv „sozial-ökologisch“ angezeigt, bedarf es grundlegender Veränderungen von Wirtschaft und Gesellschaft sowie ihrer Verhältnisse zu den geologischen, bio-physikalischen Lebensgrundlagen.“2

Die „bewusste gesellschaftspolitische Gestaltung“ ergänze in der sozial-ökologischen Transformation den Marktmechanismus. Die multiple Krise wird als Folge eines unregulierten (Finanz-)Marktes begriffen. Polanyi aufgreifend wird die Entbettung der Ökonomie kritisiert. Während Polanyi jedoch die soziale Entbettung der Ökonomie hervorhebt, wird nun auch die ökologische Entbettung thematisiert. Das Soziale und das Ökologische werden in der sozial-ökologischen Transformation zusammen gedacht. Die sozial-ökologische Transformation kann, so die These, als ein Teil der Doppelbewegung aus Einbettung und Entbettung aufgefasst werden, deren Ziel die (Wieder-)Einbettung der Ökonomie ist.3

In diesem Kapitel wird die Relevanz dieses Diskurses hervorgehoben. Im nächsten Abschnitt wird zunächst der Begriff der Transformation diskutiert (vgl. Kapitel 2.4.1) und von dem Begriff der Transition abgegrenzt. Schließlich folgt eine Darstellung des Diskurses um eine sozial-ökologische Transformation (vgl. Kapitel 2.4.2), um die Breite und Bedeutung dieses Diskurses zu verdeutlichen.

1Vgl. Deutscher Bundestag (2013), S. 126 f.

2Deutscher Bundestag (2013), S. 484.

3Vgl. zu diesem Absatz Deutscher Bundestag (2013), S. 126 ff.

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3 Gedanken zu “Sozial-ökologische Transformation

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