Sozial-ökologische Krise und imperiale Lebensweise

Konzepte und Leitbilder, Thesen

Die Bearbeitung der sozial-ökologischen Krise, welche durch die Konferenzen in Rio 1992 und Kyoto 1997 an Aufmerksamkeit gewonnen hatte, stagniert derweil wie die Verhandlungen in Rio 20+ gezeigt haben. Das soziale Moment der ökologischen Krise sehen Ulrich Brand und Markus Wissen darin, dass die Umweltprobleme zum einen gesellschaftlich bestimmt würden und ihnen zum anderen gesellschaftliche Verhältnisse zugrunde lägen.1 Natürliche Grenzen, wie sie Rockström mit den planetaren Grenzen beschreibt,2 seien sozial konstruiert, ihnen läge aber zugleich ein realer Kern zugrunde.3

Brand und Wissen sehen den inneren Zusammenhang der multiplen Krise in der imperialen Lebensweise begründet. Diese bezeichne eine Lebensweise, welche auf Grund sozialer und ökologischer Restriktionen nicht verallgemeinerbar sei. Sie sei damit zwangsweise exkludierend. Ihr imperialer Charakter bestünde darin, dass sie auf eine Peripherie angewiesen sei, deren Ressourcen, Arbeitskräfte und Senken sie sich aneigne. Wie von der Landnahme-Theorie beschrieben weite sich diese Lebensweise zunehmend ebenfalls auf die Peripherie aus. Die imperiale Lebensweise werde zum erstrebenswerten Maßstab erhoben. Da die vorhandenen Restriktionen jedoch weitestgehend konstant blieben, führe diese Ausweitung der imperialen Lebensweise zur multiplen Krise.4

Die imperiale Lebensweise verhindere zugleich die Bearbeitung der multiplen Krise. Am Beispiel der ökologischen Krise zeigen sie auf, dass die herkömmliche Krisenbearbeitung mittels internationaler Umweltkonferenzen durch die Ausweitung der imperialen Lebensweise nicht in der Lage sei, die Umweltproblematik zu bearbeiten. Zwar sei ein Krisenbewusstsein vorhanden, jedoch stünde dem eine Lebensweise entgegen, die eine Krisenbearbeitung verhindere und zugleich die Krise verschärfe. Der „American Way of Life“ habe sich als Grundrecht etabliert, welches Entwicklungsländer anstrebten und Industrieländer nicht aufgeben wollten.5

Der Wachstumsimperativ setze sich begleitet von einem Fortschrittsoptimismus fort. Die exkludierende imperiale Lebensweise solle weiterhin ermöglicht werden, indem auf technologischen Fortschritt, Marktmechanismus und neue Formen der Naturausbeutung gesetzt werde. Diese Form der Krisenbearbeitung berücksichtige jedoch nicht die sozialen Folgen der sozial-ökologischen Krise. Häufig wirke diese als Potenzierung bestehender sozialer Ungleichheiten. Die Zugänge zu Naturgütern, welche bereits durch die Umweltproblematik erschwert würden, würden durch Formen ihrer Bearbeitung wie dessen Kommodifizierung weiter verschärft.6

1Vgl. Brand/Wissen (2011b), S. 21.

2Vgl. Rockström (2009).

3Vgl. Dietz/Wissen (2009), S. 352.

4Vgl. zu diesem Absatz Brand/Wissen (2011a), S. 80 ff.

5Vgl. zu diesem Absatz Brand/Wissen (2011b), S. 23 ff.

6Vgl. zu diesem Absatz Brunnengräber/Dietz (2011), S. 99 ff.

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