Innen-Außen-Dialektik des fordistischen Wohlfahrtsstaats

Konzepte und Leitbilder, Thesen

Als fordistischen Wohlfahrtsstaat bezeichnet Dörre das vorherrschende Akkumulationsregime der Nachkriegszeit. Dieses zeichne sich durch eine spezifische Ausformung der Innen-Außen-Dialektik aus.

Im Innen der kapitalistischen Produktion stehe die institutionalisierte Arbeitermacht, welche in politischen Auseinandersetzungen und Koalitionsbildungen den fordistischen Wohlfahrtsstaat stark mitgeprägt habe. Als Dekommodifizierungspolitiken sind die Einführung des 8-Stunden-Tages, die Abschaffung der Samstagsarbeit oder auch die Ausweitung des Urlaubsanspruchs zu nennen, welche den Faktor Arbeit kontinuierlich der kapitalistischen Verwertung entzogen. Zudem würden Kleinbäuerliche und kleinbetriebliche Wirtschaftssektoren in die fordistische Produktionsweise aus Massenproduktion und Massenkonsum integriert. Doch auch über die Bindung von Kapital in öffentlichen Investitionen wie Bildung und öffentliche Infrastruktur sei ein nicht-kapitalistisches Außen geschaffen und Land preisgegeben worden.1

Zugleich zeichne sich der fordistische Wohlfahrtsstaat auch durch eine deutliche Konstituierung eines nicht-kapitalistischen Außens aus. Insbesondere weibliche Arbeitskraft bleibe auf Reproduktionsarbeit außerhalb des Marktes beschränkt. Doch auch migrantische Arbeit bilde ein Außen, welches sich der Fordismus durch Überausbeutung nutzbar mache. Ebenso würde eine außermenschliche Natur konstruiert, welche ausgebeutet werden könne. Der Fordismus sei demnach zu seiner Reproduktion auf weibliche Arbeit, zum Ausgleich seiner Produktionsspitzen auf migrantische Arbeit und zur Sicherung seiner Ressourcenversorgung auf einer außermenschliche Natur angewiesen, welche sich jeweils außerhalb des inneren Marktes befänden und nach Bedarf landgenommen würden.2

In den 1970er Jahren gerate die für den Fordismus typische intensive Akkumulation jedoch in die Krise und werde um eine extensive Form der Akkumulation ergänzt. Das Potenzial der Standardisierung und Massenproduktion erschien ausgeschöpft und Profite seien vornehmlich durch neue Formen der Landnahme erzielt worden. Diese finanzkapitalistische Landnahme habe zur Rekommodifizierung der marktbegrenzenden Institutionen des fordistischen Wohlfahrtsstaates geführt.3

1Vgl. zu diesem Absatz Dörre (2009), S. 46 ff.

2Vgl. zu diesem Absatz Dörre (2012), S. 108 ff.

3Vgl. zu diesem Absatz Dörre (2009), S. 51 ff.

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3 Gedanken zu “Innen-Außen-Dialektik des fordistischen Wohlfahrtsstaats

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