Die neue Linke

Berichte

Komme gerade von einer Veranstaltung mit Sahra Wagenknecht des Rosa-Luxemburg-Clubs Köln mit dem verheißungsvollem Titel „Die Linke. Perspekive und Chancen“.
Der Rosa Luxemburg Club Köln ist eine Vereinigung von WASGlern, PDSlern und sonstigen Linken, die die Entwicklung der Linkspartei verfolgen wollen, aber betont parteiunabhängig. Also genau das Richtige für mich. Schließlich finde ich die Entwicklung von PDS und WASG zur neuen gesamtdeutschen Linkspartei höchst spannend und möchte wissen, welche neue Alternative sich da in Deutschland auf tut.
PDS und WASG allein sind völlig zu Recht Nieschenparteien, die alleine nicht überleben können. Während die PDS im Westen nie Fuß fassen können wird, ist die WASG zu sehr an ihrer Entstehungsgeschichte orientiert, also an den HartzIV-Protesten, doch das ist zu wenig für eine Partei. Zusammen könnte sich aber eine starke Linke in Deutschland entwickeln.

Was für mich dabei bloß noch völlig offen ist wie diese Linke aussehen wird. Ich wünsche mir natürlich eine emanzipatorische, fortschrittliche, ökologische und internationale Linke. Aber momentan scheint nichts davon sicher. Gelenkt wird die Linke zur Zeit von einem Männerbund aus Gregor Gysi, Oskar Lafontaine, Lothar Bisky und Klaus Ernst. Da ist von der Emanzipation der Frau keine Spur. Ebenso erscheint die neue Linke oft reaktionär mit ihrer Schelte auf die gesamte rot-grüne Regierungspolitik und tut dabei oft so als sei unter Kohl alles bestens gewesen. Wenn das die Linke ist, dann kann man ebenso die CDA (christlich-demokratische Arbeitnehmerschaft) unterstützen. Ökologie ist ja glücklicherweise zur Zeit bei jeder Partei hipp. Bloß macht genau dieser Umstand es momentan so schwierig die inhaltlichen Differenzen der Parteien heraus zu stellen. Wenigstens scheint vorerst gesichert, dass die neue Linke international aufgestellt sein wird. Erst vor ein paar Wochen ist der Versuch gescheitert die neue Linke für UN-Einsätze der Bundeswehr zu öffnen. Doch vieles ist wie gesagt ungeklärt und genau deshalb war ich heute auf dieser Veranstaltung.
Auffällig war übrigens, dass hier zwar besonders viele Migranten an den Diskussionen beteiligt waren, dafür waren aber im Vergleich zu grünen Veranstaltungen doch recht wenig Frauen anwesend. Dafür fand ich die Debatten um einiges spannender, kontroverser und vor allem auch intelligenter als ich es von grünen Veranstaltungen gewohnt bin. Ebenfalls hat mir der Diskussionsstil sehr gut gefallen, mir schien es so als höre man sich dort noch zu und sei wirklich an den Meinungen der anderen interessiert. Bei den Grünen scheinen mir die Meinungen oft schon im Vorraus fest verankert zu sein. Liegt vermutlich auch daran, dass heute auch mehr Fragen aufgeworfen wurden als Antworten gegeben. Das hat mich ehrlich gesagt auch verwundert. Schließlich ist die linke Bewegung nicht neu und demnach war ich davon ausgegangen, dass die gängigen Fragen schon zig mal gestellt und schon dutzendfach beantwortet wären, aber dies schien mir nicht der Fall zu sein. Mag sich dadurch erklären, dass viele Fragen durch den Untergang der staatssozialistischen Länder neu gestellt werden müssen. Zudem fehlte in den letzten Jahrzehnten auch eine linke Diskussionsplattform, zumindest in Westdeutschland.
Seit die Grünen sich in unserem Parteien- und Staatssystem etabliert haben, fehlt schlichtweg jede progressive Kraft. Der heutige Abend lässt mich hoffen, dass sich dies durch die Gründung der neuen Linken ändern wird.
Ich verspreche mir vor allem auch eine Stärkung der linken Kräfte bei den Grünen und anderen Parteien und generell in unserer Gesellschaft. Man bekommt es momentan schon ganz gut mit, was eine starke äußere Kraft für Auswirkungen auf das Parteileben haben kann. So sorgt die allgemeine Umweltdebatte, die nun schon seit Wochen und Monaten überall in Deutschland geführt wird, dafür, dass die ökologischen Kräfte bei den Grünen gestärkt werden. Zuvor noch als radikal empfundene Positionen werden allmählich zum Mainstream. Über Ökosteuer, Flugverbote und Sofortausstieg aus der Kohle darf wieder laut nachgedacht werden. Genau das wünsche ich mir auch für unsere linken Kräfte!
Ich verstehe auch nicht weshalb Linke und Grüne sich so sehr anfeinden. Das bringt eventuell ein paar Prozente bei den nächsten Wahlen, aber der Sache dient es nicht – im Gegenteil.
Ich finde es wichtig, dass Grüne und Linke aufeinander zu gehen und einen gemeinsamen Diskurs führen. Was die Parteioberen tun ist mir derweil ziemlich egal, aber die Basis sollte offen für Gespräche mit einander sein und sich nicht den Konfrontationskurs der Parteistrategen aneignen.
Für mich ist die Linke auf jeden Fall eine Kraft der Erneuerung. Vielleicht nicht die Gesamtlinke, aber doch große Teile von ihr. Nur mit ihr können auch die Grünen Visionen erreichen und vor allem erst einmal denken!
Deshalb sollten die Grünen sich weg von Jamaika und schwarz-grün bewegen, denn in diesen Konstellationen ist nur reaktionäre Politik denk- und machbar.
Grüne befreit euch von den Ketten, die ihr euch selbst angelegt habt!

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2 Gedanken zu “Die neue Linke

  1. Hi Gerrit. Abgesehen davon dass mir auffällt das du von meiner Truppe scheinbar mehr hältst als ich… habe ich dich in meinem Blog verlinkt. Bleibt das Einbahnstraße? Schönes Wochenende!

  2. ist doch immer so, dass man seine eigene truppe kritischer betrachtet als andere ;).
    bleibt natürlich keine einbahnstraße.
    wochenende war nice :)

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