So ist die Welt noch zu retten

Kommentare

So titelte die Taz am Wochenende und lieferte Lösungsansätze, um die klimatische Katastrophe auf zu halten.

1. Schluss mit dem Selbstbetrug: Die Deutschen müssen bekennen, üble Klimasünder zu sein.

Es ist schon wahnsinnig wie die Bevölkerung eines Landes, welches zigmaliger Exportweltmeister ist, wirklich glauben kann, man sei der Vorreiter der Umweltbewegung. Dies ist wohl leider dem ehemaligen grünen Umweltminister Jürgen Trittin zu verdanken. Von ihm hat man die Traumvorstellung der ökologischen Vorreiterschaft Deutschlands ja zu genüge gehört. Ich habe ja selbst daran geglaubt. Doch wenn man sich einmal anschaut, womit Deutschland sich brüstet, welche Ziele uns schon als hochgesteckt verkauft werden, dann kann man sich wohl nur noch auf den Sommerurlaub an der Ostsee freuen, wenigstens fliegen die Deutschen dann nicht mehr so viel.

2. Wer Kohlendioxid produziert, soll kräftig dafür zahlen.

An diesem Punkt offenbart sich ein Dilemma, welches einem viel zu oft begegnet. Da machen ein paar wirklich engagierte Leute, denen die Umwelt wahrlich am Herzen liegt, einen Vorschlag, um unseren Planeten zu retten und kommen dabei doch nicht über unseren marktgläubigen Zeitgeist hinaus.
Zunächst klingt ja auch nichts logischer als: wer Dreck macht, soll auch dafür zahlen! Schließlich ergeht es doch jedem von uns so. Wir machen Dreck und jede Woche kommt die Müllabfuhr und entsorgt diesen, dafür zahlen wir. Folglich liegt Nahe, dass die gleiche Regelung auch für Unternehmen gelten soll.
Mir wird allerdings unbehaglich bei dem Gedanken, dass unser Klima von den Kalkulationen einiger Betriebswirte abhängen soll. Die Entscheidung, ob wir unsere Erde retten, sollte nicht vom Marktpreis für CO2 (momentan 2,20€ die Tonne) abhängen.
Es liegt doch Nahe, dass man giftige Gase verbietet oder zumindest durch Auflagen auf ein Minimum reduziert, wenn nicht anders möglich. Mir würde es zumindest nicht genügen, wenn mein Nachbar zwar für seinen Müll zahlt, er aber weiterhin meine Haustür versperrt.

3. Der Bundesumweltminister gehört entlassen. Der Wirtschaftsminister sowieso.

Viele Leute rufen immer schnell nach Entlassungen. Ich sehe nicht wie das irgendetwas verbessern soll, geschweige denn unsere Umwelt retten. Als ob diese beiden Minister die Verantwortung für unsere Welt trügen. Ich sehe da zu allererst jeden Einzelnen in der Verantwortung für unseren Planeten. Bis gestern habe ich mich mit meinem Wasserkraftstrom noch ganz gut gefühlt. Dann las ich, dass mein Stromanbieter Eprimo, auch nur eine Tochter von RWE ist und der Zuschlag für Wasserkraftstrom überhaupt nicht in Wasserkraft fließt. So ganz einleuchten will mir das zwar nicht, aber ich werde dem auf jeden Fall nachgehen. Ein Gutes hat mein Strombezug dennoch. Denn würden mir noch ein paar Menschen folgen, so wäre Eprimo immerhin gezwungen die entsprechende Strommenge aus Wasserkraft zu beziehen, auch wenn der Zuschlag dann immer noch in Atomkraft fließen sollte.

4. Braunkohlekraftwerke gehören abgeschaltet, Atomkraftwerke eh.

Klar brauchen wir die Energiewende, doch dürfen wir mit unserer Energiekritik bei den erneuerbaren Energien nicht aufhören.

Energiebauern sind eine ernst zu nehmende Konkurrenz für den Biobauern, zudem zerstören seine Monokulturen die Biodiversizität. Deshalb ist es das ökologische Autofahren auch ein Märchen, dem leider viel zu viele anhängen. Es ist ja auch zu schön dieses Märchen. Wir verbrauchen genau so viel und mehr Energie als je zuvor und schonen dabei noch die Umwelt. Wer das glaubt, der hat auch schon versucht durch mehr Essen ab zu nehmen.

Wir müssen unsere Prioritäten einfach ganz klar auf die Energie- und Ressourceneinsparung legen. Die Zukunft liegt in Null-Energie-Häusern und einer Welt der kurzen Wege.

5. Ob die Welt gerettet wird, entscheidet jeder selbst – indem er den Stromanbieter wechselt.

Oh da offenbart sich wohl, dass ich die Wochenendausgabe mal wieder erst am Dienstag gelesen habe. Sage und schreibe 60% der Deutschen gaben vor der Liberalisierung des Strommarkt an, dass sie zu einem Ökostromanbieter wechseln wollten. Kaum jemand hat es getan. Mein Vater will nun aber Werbung dafür machen. Immerhin gibt es mit Lichtblick, Greenenergy, Naturstrom und den Elektrizitätswerken Schönau 4 Anbieter auf dem deutschen Strommarkt, die nur Ökostrom anbieten. Da weiß man, was man hat. Werde ich mir wohl auch mal ansehen.

6. Fleischessen gehört verboten.

Der Punkt gefällt mir besonders gut, weil ich ständig davon rede, mir aber doch niemand glaubt. Die weltweite Tierproduktion ist für 18% der Treibhausgase verantwortlich. Häufig wird entgegnet: wenn wir die Tiere nicht äßen, dann gäb es sie ja dennoch. FALSCH! Wir züchten die Tiere und diese Tiere leben auch nur um später geschlachtet zu werden. Das ist für viele ja auch schon schlimm genug – ich selbst bin kein Tierethiker – und diese Tiere geben Gase von sich – Methan – und dadurch und durch die ganze Produktionskette entstehen unnatürliche Abgase, welche die Umwelt zerstören. Viel zu viele haben die Bauernhofidylle im Kopf, wenn sie an Tiere denken, doch unsere Tierproduktion findet in Fabriken statt!

Ich selbst kaufe auch kein Fleisch, wohl aber esse ich zuweilen welches bei meinen Eltern oder in der Mensa. Das normale Bauernhofrind sorgt auch nicht für den Umweltkollaps. Von daher spricht, abgesehen von ethischen Gründen, kaum etwas gegen das „glückliche“ Rind vom Biobauern, so lange in Maßen verzehrt, aber Massentierhaltung ist strikt abzulehnen – uns allen zu liebe.

7. Jeder muss mindestens einen Baum pflanzen.

Oh jetzt werde ich etwas rührselig, weil ich an die Trauerweide meiner Mutter denken muss, den sie vor meiner Geburt gepflanzt hat und bei meiner Großmutter im Garten steht und in die Höhe ragt.

Ja JEDER sollte einen Baum pflanzen! Einfach, weil es nichts Schöneres gibt.

8. Fliegen wird künftig nicht mehr erlaubt. Wenn es wirklich einmal sein muss, dann nur mit Atmosfair-Anteil.

Die Möglichkeit des Fliegens setzt der Umwelt zu wie kaum ein anderer Bereich unseren mondernen Lebens. Gerade unter meinen grünen Freunden kenne ich extrem viele, die schon häufiger geflogen sind. Mein letzter Flug liegt 10 Jahre zurück, aber dass ich bereits geflogen bin, ist schon eine Besonderheit. Aber Fliegen ist eben auch eine geniale Erfindung für die es auf Lange Zeit keinen Ersatz geben wird. Ich halte es schon für wichtig, dass die Menschen dieser Welt sich gegenseitig besuchen können. Klar begrüße ich es, wenn Unternehmen auf Videokonferenzen umsteigen, um unnötige Flüge zu vermeiden, aber dem normale Standardflug des Bürgers ist im Grunde nichts entgegen zu setzen. Es lässt sich wohl auch kaum vermeiden, dass mit der Zeit immer mehr Menschen die Erde umrunden werden. Da ist der Ablasshandel über Atmosfair wohl wirklich der einzig gangbare Weg. Was man wohl darüber hinaus wirklich verbieten sollte sind Privatflüge. Da Fliegen die Umwelt schon so sehr schädigt, sollten die Flugzeuge wenigstens voll sein, von daher sind die Billigflüge auch gar nicht so sehr zu verteufeln wie es viele Grüne tun.

Es ist zwar löblich, dass die Grüne Jugend Finnland nach Belgien mit dem Zug fahren möchte, um die Umwelt nicht zu schädigen, aber diese Aufopferung wird unseren Planeten nicht retten.

9. Alle Bundestagsabgeordneten müssen konkret klimapolitische Verantwortung übernehmen.

Ja hier machen wir es uns wieder einfach. Die Politiker tragen die Verantwortung und so lange die es nicht richtig machen, kann ich auch weiter mit meinem Wagen in die Stadt fahren um dort Flyer gegen die Klimasünder zu verteilen.

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4 Gedanken zu “So ist die Welt noch zu retten

  1. stimm ich dir voll und ganz zu!
    Deutschland alleine wird aber nicht so viel ausrichten können.
    Ne vorreiterrolle ist sicher wichtig, nur frag ich mich ob deutschland die einnehmen kann/will..

    Scheiß amis sollten mal dazu gezwungen werden, geht ja mal gar nicht.

    Vor allem das ständige Leugnen und gegenlenken, ist ja nicht zum aushalten.

    bin echt mal gespannt ob da nun was passiert oder ob wieder die verdrängung einsetzt..

  2. jo da kann man auch gespannt sein. wobei ich da ja sehr skeptisch bin und mir somit jede spannung nehme.
    das leugnen scheint sich ja so langsam niemand mehr zu trauen, was ich schon mal als riesen fortschritt ansehe. dennoch wird es wohl noch dauern bis das bei jedem angekommen ist.
    klar führt es jede klimapolitik ad absurdum, wenn der größte klimasünder sich an keine richtlinien hält.
    da ist der vorschlag von jacques chirac vllt. gar nicht schlecht eine weltumweltorganisation ähnlich der WTO zu gründen.
    Immerhin sieht man bei der WTO sehr schön wie sehr sich die Länder diesen Regeln unterwerfen. Das Problem dabei ist bloß, dass so etwas dann doch meist eher ne Wirkung auf kleinere und wirtschaftlich schwächere Länder hat.

    Allerdings würde ich das Gewicht von Deutschland nicht herunter spielen. Immerhin sind wir die drittgrößten Klimasünder. Wenn wir etwas tun, dann fällt das schon ins Gewicht. Eine Volkswirtschaft wie die unsere hat schon Einfluss auf die Entwicklungen in dieser Welt.

  3. „Dann las ich, dass mein Stromanbieter Eprimo, auch nur eine Tochter von RWE ist und der Zuschlag für Wasserkraftstrom überhaupt nicht in Wasserkraft fließt. So ganz einleuchten will mir das zwar nicht, aber ich werde dem auf jeden Fall nachgehen. Ein Gutes hat mein Strombezug dennoch. Denn würden mir noch ein paar Menschen folgen, so wäre Eprimo immerhin gezwungen die entsprechende Strommenge aus Wasserkraft zu beziehen, auch wenn der Zuschlag dann immer noch in Atomkraft fließen sollte.“

    Würde bedeuten, dass der TÜV Süddeutschland der das zertifiziert hat auch ein Drecksverein ist
    (naja die Südländer halt)
    Fakt ist, dass bei weitem mehr Ökostrom ins deutsche Stromnetz eingespeist wird, als derzeit Nachfrage vorhanden ist.
    Auch wenn man keinen Ökostrom aus der Steckdose bekommt, obwohl man ihn bestellt hat, weil man neben nem AKW wohnt, wird durch die steigende Nachfrage Ökostrom gefördert (auch wenn er an andere Stelle eingespeist wird).
    http://www.verivox.de/Inc/faq/FAQ.asp?group=Oekostrom

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